..... der Wappensaal in der Kronberger Burg  

                                                                       

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts beauftragte Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) eine Beamtenfamilie in Eschborn, auf dem Reich gehörenden Gelände im Vordertaunus eine Burg zum Schutz der Kaiserpfalz und Stadt Frankfurt zu errichten.

 

Als Ganerben (d.h. gemeinsamer Besitz und Erbe nur an männlichen Nachwuchs) baute die Ritter- und spätere Reichsgrafen-Familie von Kronberg die Oberburg zu einer wehrhaften Burganlage mit Kanonenturm aus.

 

Um 1320 wurde mit dem Großen Haus (Kronenstammhaus) die Mittelburg errichtet und 180 Jahre später der Nordflügel (Flügelstammhaus) angebaut.

 

Nach dem Aussterben deOhrenstamms (1461), des Flügelstamms (1617) und des Kronenstamms (1704) wurde die Burg Eigentum des Kurfürstentums Mainz. Die Burg verwahrloste und diente im 19. Jhdt. einem Schreiner als Werkstatt, dessen Kaninchen in der Sandfüllung zwischen den modernden Dielen des Wappensaales umhertobten.

 

Erst durch Schenkung  Kaiser Wilhelms II. an seine in Kronberg lebende Mutter Kaiserin Victoria, Witwe des Kaisers Friedrich III., begann 1892 die Rettung der zerfallenden Burg.

 

Nach einer großen, der Historie angepassten, aber auch ergänzenden Restaurierung wurde 1912 die Burg als Museum geöffnet.

 

Durch die beiden Weltkriege hatte die Burg stark gelitten, als sie die Stadt Kronberg 1992 von der Hessischen Hausstiftung ohne Inventar übernahm. Mit hohem Engagement deBurgverein Kronberg e.V. und der Stiftung Burg Kronberg, breiter finanzieller Unterstützung der Bevölkerung, der Stadt und insbesondere der Rheinberger- und Linsenhoff-Familien wurde die gesamte Burganlage von 1994 bis 2016 restauriert und saniert.

Besonders der Wappensaal verlangte wegen der bei der Dachrenovierung 1994/1995 entstandenen Wasserschäden hohen Renovierungsaufwand. 

Bei der Renovierung vor 120 Jahren wurde dem gesamten Raum durch Verputze und Anstriche eine „alte“ Patina gegeben, um eine täuschend echte mittelalterliche Atmosphäre zu erzeugen. 

 

Zwei Kunstmaler haben um 1899 den Wappensaal wieder hergerichtet:

Der Frankfurter Karl Julius Grätz (durch seine Kirchenausmalungen in Frankfurt und Kronberg bekannt) renovierte die von Kurfürst Johann Schweikhart von Kronberg an den Wappensaal angebaute Kapelle.


und der Kronberger Dekorationsmaler Jacob Hembus die Wappengemälde:

  • auf der Fensterseite die Familienwappen von Hartmut XIII und Barbara von Sickingen (um 1560)

  • auf der Kapellenseite vier „Vorzeige-Persönlichkeiten“ des Kronberger Adels  

Walther

Johann Schweikhardt

Rudolph


Dem französischen Text nach, soll Rudolph (Raoul) bereits 866 Kanzler in Frankreich und verwandt mit Kaiser Karl dem Großen gewesen sein - auch damals gab es schon fake news!

  •  auf der Kaminseite die vier Stämme des Kronberger Adels-Geschlechtes

 

 

 

          und mahnende Inschriften


Durch sorgfältiges Reinigen und vorsichtiges Übermalen wurde diese Patina erhalten und die Gemälde wieder gut erkennbar hergerichtet - ein Vergleich verdeutlicht die zeitaufwändige Facharbeit der letzten Jahre.

                                                  vorher

nachher


 

 

Als Original sind nur die Wappen des Reichsgrafen Kraft Adolf Otto und seiner 2. Frau Charlotte Eleonore von Sayn-Wittgenstein erhalten (1687).


Der Aufwand hat sich gelohnt – es ist wieder Leben auf die Burg eingekehrt – der Terrakottasaal in Parterre, der Weiße Saal im zweiten Stockwerk und als besonderes Juwel auf der ersten Etage der Wappensaal laden ein zu

 

 

Hochzeiten

 

 

Banketten

 

 

Vorträgen


 

 

Gottesdiensten

 

 

Konzerten

 

 

Theater


 

Und die von Jacob Hembus gefertigte Wappentafel wechselt als Leihgabe der Stadt vom Kronberger Malermuseum in den Wappensaal der Burg Kronberg.

Quelle: Arbeitskreis Bauerhaltung des Burgvereins                       

 

                                                                                                                                                                        Manfred Bremen  2017.9.1.