..... wie in vielen Orten Deutschlands auch in Kronberg eine Friedrich-Ebert-Straße.

 

Im Haus Nr. 17 wohnt Frau Helga Weck und sie erinnert sich, dass ihr am 6.12.1849 geborener Urgroßvater Georg Weck dort auf der 1. Etage eine Sattler-Werkstatt betrieben hat.

Um 1889 konnte niemand ahnen, dass der für kurze Zeit bei Georg Weck arbeitende Wandergeselle Friedrich Ebert das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt Deutschlands und die damalige Marktstraße, spätere Hauptstraße und Adolf-Hitler-Straße ab 1945 nach ihm benannt werden sollte. 

In ärmlichen Verhältnissen wurde am 4.2.1871 Friedrich Ebert in Heidelberg geboren und begann nach einer Zeit der Kinderarbeit in einer Lohnkutscherei 1885 eine Sattlerlehre. 

 

 

In der Prüfungszeit brach er die Lehre ab, weil sein Lehrmeister ihn ohrfeigte und er ging als Wandergeselle 'auf die Walz' durch Süd- und West-Deutschland.

Es war die Zeit der ersten sozialistischen Arbeiterbewegung, die Reichskanzler Otto von Bismarck mit dem Sozialistengesetz unterdrücken wollte und Friedrich Ebert reifte während seiner Wanderjahre zum Agitator und Organisator des Sattlerverbandes.

 

Er wurde Mitglied  der Sozialistischen Arbeiterpartei, gründete in einigen Städten Zweigstellen des Sattlerverbandes und organisierte Arbeitskämpfe, weshalb er von Arbeitgebern auf 'Schwarze Listen' gesetzt wurde.

 

Ab 1891 lebte er in Bremen - war arbeitslos - betrieb eine Gastwirtschaft - war Redakteur und lernte ab 1900 als Arbeitersekretär der SPD die Sorgen der Arbeiterschaft kennen.


Mit Organisationstalent und leidenschaftlichen Reden engagierte er sich gegen die soziale Ungerechtigkeit - wurde 1904 Sekretär des Parteivorstandes - 1912 Reichstagsabgeordneter und 1913 SPD-Vorsitzender.

 

Während des Ersten Weltkrieges spaltete sich ein marxistischer Flügel (Spartakusbund-KPD) von der SPD ab - die Revolution suchte nach einem Übergang von der Monarchie zur Demokratie und Friedrich Ebert setzte sich für eine breite Volksdemokratie ein.

 

Nach dem Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. erreichte die Revolution im November 1918 ihren Höhepunkt - es wurde zum Generalstreik aufgerufen - in Wewimar die erste verfassungsgebende Nationalversammlung abgehalten - in Berlin die Republik und Friedrich Ebert als Reichkanzler ausgerufen.

Die Sorge um die Ausbreitung des Bolschewismus und einen Bürgerkrieg vereinte SPD, Deutsche Zentrumspartei (CDU) und Deutsche Demokratische Partei (FDP) und sie wählten am 11.2.1919 Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten.

Als Pragmatiker half er, die schwierigsten Probleme der Zeit zu überwinden:

- Sicherstellung der Volksernährung - Abschaffung des preußischen Obrigkeitsstaates - Aufhebung der Zensur 

- Demobilisierung des Heeres - Stabilisierung der Wirtschaft (Währungsreform 1923) und es wurden Regelungen eingeführt, die uns heute noch begleiten:

- demokratische Verfassung - demokratisches Wahlrecht für alle (Frauenwahlrecht) - Arbeitszeitverkürzung

- Arbeitslosenunterstützung - Ausbau der Sozialversicherung - Reichswehr ohne Privilegien für den Adel

- neues Wappen (geänderter Reichsadler) - neue Fahne in den Farben schwarz-rot-gold

Friedrich Ebert war nicht unumstritten, da er mehrere Aufstände und Putschversuche von radikalen Linken und Rechten durch das Militär niederschlagen ließ und als Arbeiterführer für die militärische Niederlage mitverantwortlich gewesen sein sollte ('Dolchstoßlegende').

Vor 90 Jahren, am 28.2.1925, starb er in Berlin und wurde auf dem Heidelberger Bergfriedhof beerdigt.

Der 1. Bundespräsidenten Theodor Heuß nannte seinen Amtsvorgänger einmal                                                                                              „Abraham Lincoln des deutschen Volkes“

 

                                                                                                                                                                        Manfred Bremen 2015.3.1.